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MICHAIL GENIN : VITA

 

 "DIE UNEWIGEN GEDANKEN" (in Deutsch)
Aphorismen von Michail Genin übersetzt von Peter Ott
Auch bei "1001 Apforismen" (in Deutsch)

 "NEWECHNYJE MYSLI" (in Russisch)
Aphorismen von Michail Genin komplett in "Moshkov's Library"

 "DER VATER" Mein Essay (in Russisch)

 VIDEO-AUFNAHMEN seiner Auftritte (in Russisch)

 
   
 
   
 
   
 
    Meine Eltern, 1951
   

MICHAIL GENIN, RUSSISCHER APHORISTIKER

     Mein Vater Michail Genin (1927-2003) ist als Waisenkind aufgewachsen. Die Moskauer Militärmusikschule bleibt jahrelang sein Zuhause. Ein Versuch während des Krieges an die Front zu fliehen scheitert. Er überlebt den Krieg. Nach dem Kriegsende absolviert er eine Musikfachschule als Schlagzeuger. Doch dann entscheidet er sich plötzlich für Philosophie. Unter Stalin ist aber reine Philosophie absolut unmöglich, statt einer Wissenschaft nähert sie sich einem Zirkus. Deshalb kommt es zu neuer Wende: nach dem Uniabschluss versteckt sich mein Vater von der kommunistischen Ideologie in einem echten Zirkus unter echten Clowns, Akrobaten und Tieren, die er am Schlagzeug begleitet.
     Hier fängt er an seine humorvolle und satirische, ernsthafte und witzige Aphorismen zu schreiben. Der berühmte Clown und Schauspieler, später Leiter des Moskauer Zirkus Yuri Nikulin, mit dem mein Vater eng befreundet war, ermutigt ihn, seine Aphorismen zu veröffentlichen.
     1964 folgen erste Publikationen in der satirischen Zeitschrift »Krokodil«, bald wird er ständiger Autor der zentralen »Literarischen Zeitung« und der Zeitung »Moskauer Komsomolez« und einer der führenden und beliebtesten Aphoristiker der Sowjet Union.  Tiefe philosophische und scharfe satirische Gedanken zu veröffentlichen ist aber in dieser Zeit beinahe zu unmöglich, doch denkende Leute brauchen sie wie die Luft! So beginnt er mit dem Konzertauftritt – zuerst in "geschlossenen" wissenschaftlichen Instituten, dann in großen Konzertsälen – von Brest bis Sibirien – und letztendlich im TV-Programm "Anschlag! Anschlag!". So wird er allmählich in ganzem Land bekannt. Viele seiner Sprüche werden so oft zitiert, dass sprichwörtlich werden.
     Als er seine Sprüche vorließt, applaudieren alle Zuhörer unabhängig von ihrem Bildungs-Niveau: Soldaten in den Garnisonen, Gefangene in Gefängnissen, Physiker des Atom-Forschungszentrums.
Seine Weisheiten sind sowohl unter "einfachen", als auch hoch gebildeten Menschen sehr populär. Unter seinen Freunden und Verehrer – Regisseure und Schauspieler, Wissenschaftler und Professoren, Dichter und Musiker.
     In 80en Jahren werden seine Aphorismen in Zeitschriften in DDR publiziert. 1983 bei dem Eulenspiegel-Verlag gibt er zusammen mit Stefan Kurella ’Samowahrheiten’, Aphorismen aus der Sowjetunion heraus. 1993 erscheinen in Moskau ‘Die unewigen Gedanken’ als Buch auf russisch, mit dem Vorwort von dem brillanten Dramaturgen und Drehbuchautoren Grigory Gorin. Mehrere Aphorismen von M. Genin sind bei verschiedenen Anthologien der Weisheiten dabei, neben Georg Lichtenberg, Blaise Pascal, François de La Rochefoucauld und Stanisław Jerzy Lec.
      Manchmal lustig, grotesk und bissig, oft bitter und düster, immer einleuchtend und lakonisch, stellen ‘Unewige Gedanken’ ein wahres ungeschminktes Abbild einer irrsinnigen Epoche dar – Epoche der stagnierten und versumpften Sowjetunion und des unverkennbaren hartnäckigen Widerstandes der "anders denkenden" von denkenden Menschen, des echten jüdisch-russischen Humors, der dem Menschen als Überlebensstrategie so viel bedeutete.  Seine Aphorismen sind aber viel mehr als eine zeitbegrenzte Erscheinung: Trotz enger Verbindung mit dem Zeitgeist, trotz ihres Titels gehören seine „Unewige Gedanken“ schon jetzt der unvergänglich ewigen menschlichen Weisheit.

               
Militärmusikschule, 1940
Moskauer Zirkus, 1970
Auf der Konzertreise, 70iger
Yuri Nikulin, Der Clown
Bulat Okudzhava, chansonnier
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