Michail Genin (1927-2003), russischer Aphoristiker, Satiriker und Denker, Preisträger des Humoristen-Preises Das Goldene Kalb, veröffentlichte seine Sprüche seit 1964 in der satirischen Zeitschrift Krokodil, seit 1970 ständiger Autor der Zeitungen Moskowski Komsomolez und Literaturnaja Gaseta.

Er ist als Waisenkind aufgewachsen. Für Jahre bleibt die Moskauer Militärmusikschule sein Zuhause. Sein Versuch während des Krieges an die Front zu fliehen scheitert. Er überlebt den Krieg. Nach dem Kriegsende er absolviert die Gnessin- Berufsfachschule für Musik als Schlagzeuger.

Plötzlich entscheidet er sich für Philosophie. Weil aber Philosophie unter Stalin eher einem Zirkus als einer Wissenschaft ähnelt, versteckt er sich von der kommunistischen Ideologie nach dem erfolgreichen Uni-Abschluss unter Clowns, Akrobaten und Tieren, die er im Moskauer Zirkus am Schlagzeug begleitete. Genau hier fängt er an humorvolle, philosophische und satirische Sprüche zu schreiben und sie in Zeitungen und Zeitschriften zu publizieren. Da aber wirklich tiefsinnige und satirische Gedanken zu veröffentlichen unmöglich ist, beginnt er mit den Konzertauftritten und wird allmählich in ganzem Land, von Brest bis Sibirien bekannt: Der erste Autor, der es wagt, zwei Stunden lang alleine dem Publikum eigene kurze Sprüche zu präsentieren. Er wird nicht nur in vielen Zeitungen und Zeitschriften publiziert, sondern wird auch zu verschiedenen Radio- und TV-Sendungen eingeladen.

Anfang der 80er Jahren übersetzt man in DDR die harmlosesten von seinen Aphorismen ins Deutsche. 1983 erscheinen seine Sprüche beim Eulenspiegel Verlag in einer Sammlung von Aphorismen aus der Sowjetunion Samowahrheiten. Sein gesamtes Werk Unewige Gedanken kommt in Moskau aber erst 1993 heraus.

Bei verschiedenen Sammlungen der Weisheiten sind Aphorismen von M. Genin stets dabei. In der Anthologie von Aphorismen der Weltliteratur (Reclam Bibliothek, 2009) steht sein Name neben den von Bacon, Pascal, Swift, Lichtenberg, Goethe, Schlegel, Schopenhauer, Twain, Nietzsche, Wilde, Shaw, G. von Hofmannstahl, Kafka. Viele seiner Sprüche werden so oft zitiert, dass sie sprichwörtlich geworden sind.

Lustig und grotesk, oft düster und bitter, immer einleuchtend und lakonisch, stellen Unewige Gedanken ein wahres ungeschminktes Abbild der absurden Epoche der Stagnation in der Sowjetunion dar, der Epoche des hartnäckigen Widerstands des denkenden Menschen gegen Gehirnwäsche, der Epoche des tiefsinnigen Humors als Überlebensstrategie.

Zurzeit wird die Herausgabe eines Buchs über das Leben und Werk von M. Genin vorbereitet.